Hamm Juni 2026: Vorbericht zur DACH-Leitbörse für Terraristik
Am 20. und 21. Juni 2026 öffnen die Zentralhallen Hamm zum Quartals-Termin der wichtigsten Terraristik-Börse im deutschsprachigen Raum. Mit Aussteller-Schwerpunkten, Reservierungs-Logik, Transport-Standards und Erst-Besucher-Empfehlungen.
Vier Termine pro Jahr, jeweils an einem Wochenende im März, Juni, September und Dezember: die Hamm-Börse ist seit drei Jahrzehnten der ungeschlagene DACH-Treffpunkt der organisierten Terraristik. Der Juni-Termin 2026 steht unter besonderem Vorzeichen, weil er der erste Quartals-Termin nach Ablauf der BArtSchV-Bestandsmeldungs-Frist (31. März 2026) ist — viele Halter haben in den Wochen davor ihre Bestände erstmals sauber dokumentiert und entsprechend ist mit höherem Aussteller-Aufkommen und stärkerer Behörden-Präsenz zu rechnen.
Termin und Eckdaten
- Datum: Samstag 20. Juni und Sonntag 21. Juni 2026
- Ort: Zentralhallen Hamm, Hallen 3 und 4
- Öffnungszeiten: Samstag 9–17 Uhr, Sonntag 10–16 Uhr
- Eintritt: 12 EUR pro Person ab 14 Jahren, Kinder unter 14 in Begleitung Erwachsener kostenfrei
- Erwartete Aussteller-Anzahl: rund 280 Stände
Die Hallen 3 und 4 bieten zusammen über 6.000 Quadratmeter Ausstellungs-Fläche. Wegen des erfahrungsgemäß hohen Besucher-Andrangs am Samstag-Vormittag empfiehlt sich die Anreise entweder vor Öffnung (Einlass-Schlange ab 8 Uhr) oder ab 13 Uhr — die mittlere Tagesmitte zwischen 10 und 13 Uhr ist erfahrungsgemäß am dichtesten.
Aussteller-Schwerpunkte
Die 280 Stände verteilen sich nach langjährigem Muster grob wie folgt:
- Schlangen (rund 35 % der Tier-Stände): Pythonidae und Boidae dominieren, daneben Colubridae mit Pantherophis-, Lampropeltis- und Thamnophis-Schwerpunkten. Bei Pythonidae sind Anhang-B-Arten nach EG-VO 338/97 regelmäßig vertreten; EU-Bescheinigungs-Pflicht bei Anhang-A-Arten am Stand prüfen.
- Echsen (rund 25 %): Geckonidae mit Eublepharis und Phelsuma, Agamidae mit Pogona und Uromastyx, Chamaeleonidae mit Furcifer pardalis und Chamaeleo calyptratus, daneben kleinere Iguanidae.
- Amphibien (rund 10 %): Anura mit Dendrobatidae-Schwerpunkt, Urodela mit Salamandra und Triturus, Plus Caudata-Spezialisten.
- Wirbellose (rund 10 %): Vogelspinnen (Theraphosidae) breit gefächert, Skorpione, Stabschrecken, Tausendfüßer.
- Schildkröten (rund 5 %): Testudo hermanni und Testudo graeca als Anhang-A-Arten mit lückenloser Bescheinigungs-Pflicht — am Stand wird die EU-Bescheinigung in Kopie ausgegeben, das Original verbleibt beim Züchter bis zur formellen Übertragung.
- Terraristik-Bedarf und Futtertiere (rund 15 %): Beleuchtung (Arcadia, Solar Raptor, Lucky Reptile), Substrate, Terrarien-Bau, Futter-Insekten (Heimchen, Schaben, Heuschrecken), Frostfutter.
Reservierung und Vorbereitung
Die meisten etablierten Züchter bieten Online-Tier-Reservierung im Vorfeld an — typisch ab dem Mittwoch vor dem Börsen-Wochenende. Wer ein konkretes Tier sucht, prüft die Aussteller-Listen (über die Hamm-Webseite und Vereins-Foren) am Wochenende davor und nimmt direkt Kontakt auf. Reservierte Tiere werden am Stand zur Abholung bereitgehalten, oft mit Anzahlung von 20 EUR per PayPal-Vorab. Erfahrene Käufer dokumentieren die Reservierung schriftlich (E-Mail genügt) und nehmen den Ausdruck mit.
Für die Transport-Logistik gilt: jedes Tier eigene Transport-Box, größenangepasst. Schlangen in Stoff-Säckchen, die in eine belüftete Plastik- oder Holzbox eingelegt werden. Echsen und Amphibien in belüftete Plastikdosen mit Polster-Material (Papier-Tüchern, leicht angefeuchtet bei Amphibien). Bei Außen-Temperaturen unter 18 °C ist ein chemisches Wärme-Pack (kostet 3–5 EUR pro Pack, hält 8–12 Stunden) zwingend — niemals direkt am Tier, sondern außen an der Transport-Box angebracht, gepuffert durch Zeitungspapier. Bei Temperaturen über 28 °C umgekehrt Kühl-Akku unter die Box.
In den Hamm-Hallen selbst ist es im Juni regelmäßig deutlich wärmer als außen — 28–32 °C am Nachmittag sind normal. Tiere nicht stundenlang in der prallen Hallen-Mitte herumtragen; entweder direkt zum Auto bringen oder am Schatten-Wand-Bereich der Halle zwischenlagern.
Rechtliche Pflichten am Erwerb
Mit jedem Tier-Kauf gehen formale Pflichten einher:
- Kaufvertrag mit Herkunfts-Bestätigung im Original — der Züchter führt vorbereitete Formulare, der Halter prüft Vollständigkeit (Art, Anzahl, Geschlecht, Schlupf-/Geburtsdatum, Züchter-Adresse, CITES-/EU-Bescheinigungs-Nummer bei Anhang-A/B-Arten).
- EU-Bescheinigung („gelber Schein”) bei Anhang-A-Arten nach EG-VO 338/97 — wird am Stand übergeben oder per Post nachgereicht. Bei Postnachreichung schriftliche Bestätigung mit Übergabe-Datum mitnehmen.
- Tierbestand-Meldung beim Landratsamt innerhalb von 14 Tagen nach Hamm-Erwerb für meldepflichtige Arten nach BArtSchV § 7 Abs. 2. Wer ein Anhang-A-Tier kauft, sollte das Formular bereits vorbereitet mitbringen — am Stand werden die Züchter-Daten direkt eingetragen.
- Mikrochip-Kontrolle bei Anhang-A-Arten: Lese-Gerät am Stand, Chip-Nummer mit Bescheinigung abgleichen.
Empfehlung für Erst-Besucher
Wer Hamm zum ersten Mal besucht, sollte den Termin ohne Erwerbs-Druck einplanen. Die ersten zwei Stunden orientieren — Hallenplan studieren, Aussteller-Cluster abgehen, Preisniveau für die interessierende Art einordnen. Die meisten erfahrenen Halter empfehlen, den ersten Hamm-Besuch zu nutzen für:
- Halter-Gespräche an Ständen: nach Haltungs-Bedingungen, Linien-Herkunft, Zucht-Erfahrung fragen. Seriöse Züchter nehmen sich Zeit, auch wenn nicht sofort verkauft wird.
- Vereins-Kontakte knüpfen: der DGHT-Informations-Stand (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde) liegt traditionell zentral in einer der beiden Hallen, dort sind regionale Stadt-Gruppen-Vertreter ansprechbar.
- Sachkunde-Vorbereitung: am DGHT-Stand und an mehreren Verlags-Ständen liegen Sachkunde-Literatur und Prüfungs-Vorbereitungs-Materialien aus. Die Sachkunde nach TierSchG § 11 ist je nach Bundesland und Art-Klasse unterschiedlich umfänglich; Hamm ist der pragmatische Einstieg in den Vorbereitungs-Stoff.
- Beleuchtungs- und Technik-Beratung an den großen Bedarfs-Ständen — Arcadia- und Solar-Raptor-Vertretungen geben dort konkrete Empfehlungen für UV-Index-Ziele am Aufenthalts-Punkt des Tieres, oft mit Solarmeter-Demonstration.
Behördliche Präsenz und CITES-Stand
Erfahrungsgemäß sind in Hamm Vertreter der Naturschutz-Behörden präsent — nicht als Razzia, sondern als Beratungs-Stand. Halter, die zur BArtSchV-Aktualisierung 2025 Rückfragen haben, können dort Formular-Hilfe und Bestimmungs-Beratung erhalten. Das ist besonders sinnvoll für Tiere, deren Status nach der Juli-2025-Novelle sich verändert hat oder deren Nomenklatur in den letzten Jahren revidiert wurde.
Wer die juni-typische Schlange-Atmosphäre der Hamm-Hallen einmal erlebt hat, versteht, warum die Börse für die organisierte Terraristik so identitäts-stiftend ist: hier treffen Züchter mit jahrzehnte-langer Linien-Pflege auf junge Sachkunde-Anwärter, hier wird der direkte Tier-Transfer mit voller Dokumentations-Verantwortung praktiziert, hier kalibriert die Szene quartalsweise ihre Standards. Der Juni-Termin 2026 ist für viele Halter der Lackmus-Test, ob die neue BArtSchV-Praxis in der Breite trägt.